Rückruf von Hinterrad-Befestigungsbolzen

bei Trek- und Electra-Pedelecs


Sachverständiger sieht Defizite in der Systemvalidierung

Die U.S. Consumer Product Safety Commission (CPSC) hat einen Rückruf von rund 19.890 Elektrofahrrädern der Marken Trek und Electra (Modelljahr 2026) veröffentlicht. Ursache sind hintere Befestigungsbolzen, die beim Anziehen mit dem vorgesehenen Drehmoment brechen können. Im Extremfall kann sich das Hinterrad vom Rahmen lösen – akute Sturzgefahr.

Betroffen sind Modelle der Reihen Trek FX+ 1 sowie Electra Townie Go! mit Hinterrad-Nabenmotor. Hersteller der beanstandeten Verbindungselemente ist Hyena Inc., Taiwan. NachAngaben der CPSC wurden sieben Fälle gemeldet; Verletzungen sind bislang nicht bekannt.

Technische Einordnung

Aus technischer Sicht ist besonders brisant, dass das Versagen bereits beim Erreichen des vorgeschriebenen Anziehdrehmoments auftreten kann. Dies deutet auf eine unzureichende Festigkeitsreserve der Schraubenverbindung hin.

Mögliche Ursachen können sein:

  • fehlerhafte Wärmebehandlung
  • ungeeignete Festigkeitsklasse
  • Wasserstoffversprödung nach galvanischer Beschichtung
  • Abweichungen in der Reibwertannahme bei der Drehmomentdefinition
  • chargenbedingte Materialfehler

Bei Pedelecs mit Hinterradmotor wirken zusätzlich zu den üblichen Fahrbelastungen:

  • Motorreaktionsmomente
  • Torsionskräfte
  • dynamische Lastwechsel
  • Vibrationsbeanspruchungen

Die Befestigungselemente zählen daher zu den sicherheitskritischen Primärstrukturbauteilen.

Kritik an der Prüfstrategie

Ernst Brust, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Mikromobilität, äußert sich deutlich: „Wenn ein Verbindungselement bereits beim vorgesehenen Nenndrehmoment versagt, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob das verwendungsfertige Produkt im Vorfeld ausreichend systemischgeprüft wurde. Eine konsequente Validierung auf dem Prüfstand hätte ein solches Verhalten mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits bei der Abnahme sichtbar gemacht.“

Nach Einschätzung von Brust hätte eine Kombination aus:

  • Drehmoment-Validierung
  • Bruchgrenzenermittlung (Torque-to-Failure-Test)
  • Dauerfestigkeitsprüfung unter Motorlast
  • metallurgischer Stichprobenanalyse

den Mangel frühzeitig erkennen lassen können.

Systemisches Problem kleiner Bauteile

Der aktuelle Fall verdeutlicht ein wiederkehrendes Muster in der EPAC-Branche:

Kleine Verbindungselemente werden häufig als „Standardteile“ behandelt und nicht als sicherheitskritische Systemkomponenten bewertet. Bei motorisierten Fahrrädern ist diese Betrachtung jedoch nicht mehr ausreichend.

„Die Produktsicherheit entscheidet sich nicht nur am Motor oder am Akku, sondern häufig an unscheinbaren Schrauben“, so Brust weiter.

Konsequenzen

Verbraucher sollen die betroffenen Fahrzeuge bis zur Reparatur nicht weiter nutzen. Die schwarzen Originalbolzen werden kostenfrei durch silberne Ersatzbolzen ersetzt. Der Fall zeigt erneut, dass bei elektrisch unterstützten Fahrrädern eine vollständige Systemvalidierung – einschließlich aller tragenden Verbindungselemente – unerlässlich ist.

Für weitere technische Einordnungen steht Ernst Brust, ö.b.u.v. Sachverständiger für Mikromobilität, Schweinfurt, zur Verfügung.

Quelle: ö.b.u.v. Sachverständiger Ernst Brust